Findbuch


Erkenbrechtsweiler wird 1284 als Hergenbolswiler erstmals urkundlich genannt. Damals war der Ort Eigentum der edelfreien Herren von Neuffen, die ihn dem Hochstift Speyer als Lehen übertrugen. Zusammen mit der Herrschaft Neuffen fiel er wenig später den edelfreien Herren von Weinsberg zu, die beide Orte 1301 an die Grafen von Württemberg verkauften. Bis 1806 gehörte Erkenbrechtsweiler zum Amt Neuffen, kam dann mit diesem zum Oberamt Nürtingen, dem späteren Landkreis Nürtingen, der wiederum 1973 aufgelöst wurde. Heute liegt die Gemeinde im Landkreis Esslingen.


Im 19. Jahrhundert existierte bereits ein Registraturkasten, entsprechende Verzeichnisse – das älteste von 1835 – sind unter der Signatur EA 45 vorhanden. In den 60er Jahren wurde das Archiv von Adolf Schicketanz archivpflegerisch betreut.

Bis 1936 lagerten die Archivalien im Rathaus "zwar an verschiedenen Orten, aber gut geordnet, trocken und staubfrei" (EA 45). Seit 1936 befindet sich das Gemeindearchiv in einem Raum im Erdgeschoss des Rathauses – vor der Verzeichnung zum Teil in Wandschränken, nun komplett in der 1994 eingerichteten Fahrregalanlage.

Im ersten Teil des vorliegenden Findbuchs sind die Rechnungen aufgeführt (Umfang ca. 31 lfd. M.), die weit ins 17. Jahrhundert zurückreichen und bis zum Jahr 1987 erschlossen sind: Die Gemeinderechnungen – in Bezug auf die Ortsgeschichte eine der wichtigsten Quellen – setzen als "Heimbürgenrechnung" bereits 1651 ein, die Kastenrechnungen (später Heiligen- und Stiftungspflegrechnungen) beginnen sogar schon 1633. Eine weitere und aufgrund der teilweise darin enthaltenen Auswandererbriefe besonders bemerkenswerte Quelle sind die Pflegrechnungen aus dem 19. Jahrhundert.

Im Amtsbuchbereich mit einem Gesamtumfang von ca. 16 lfd. M. befindet sich das älteste überlieferte Stück des Gemeindearchivs: ein Band Inventuren und Teilungen von 1557 (EB 245), die vor allem in Bezug auf Sozial- und Familiengeschichte von Bedeutung sind. Weitere wichtige Quellen sind in diesem Bereich die Gemeinderatsprotokolle (1822–1964), in Hinsicht auf Besitzverhältnisse die Güterbücher und Güterbuchhefte (1731–1899), die Kaufbücher (1789–1899) die Unterpfandsbücher (1829–1899) und als Besonderheit Gemeindeabschriften von kirchlichen Ehe-, Tauf- und Totenregistern 1808–1875 (EB 157-163). Die Laufzeiten der Amtsbücher reichen bis in das Jahr 1986.

Unter den Akten (insgesamt 11 lfd. M. Akten) befinden sich einige Besonderheiten, z. B. eine Hochfürstlich-Württembergische Landfeuerordnung von 1752 (EA 137) und eine Herzogliche Verordnung von 1777 über "Erste Hilfe" (EA 254), beide gedruckt, oder Unterlagen über die Unterhaltung einer Kinderindustrieschule, eine Beschäftigungsanstalt für Kinder über 6 Jahre (EA 387). 1913 wurde im Haus 95 ein Münzschatz gefunden, der dort wohl um 1370 vergraben worden war, der Fund wird in EA 254 beschrieben. Bemerkenswert ist auch die Überlieferung aus der Zeit der beiden Weltkriege und danach, z. B. die wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung (EA 173-196) oder Feldpostbriefe der Soldaten (EA 357). In der Akte EA 359 befinden sich Sterbemitteilungen über die an der Front Gefallenen und Listen der in den in Erkenbrechtsweiler im April 1945 stattgefundenen Straßenkämpfen Umgekommenen (EA 359). Bei der Verzeichnung wurde im Aktenbereich der zeitliche Schnitt bei 1965 gezogen, allerdings gibt es einzelne Abweichungen bis ins Jahr 1996.


Im Bereich der Sammlungen sind eine Übersicht des Registraturkastens, Schrank 3, und ein Wandkalender verzeichnet.


In der Gruppe der Fremdarchivalien – Gesamtumfang 0,5 lfd. M. – sind die Unterlagen des Winterhilfswerks der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt besonders hervorzuheben.

Einige Archivalien wurden bei einem Brand im 1836 erbauten Rathaus in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1837 schwer beschädigt, darunter vor allem die Unterpfandsbücher, etliche Pflegrechnungen und Inventuren und Teilungen, die dadurch beinahe nicht mehr benutzbar sind und auch aus konservatorischen Gründen vorerst nicht benutzt werden sollten. Beschreibungen der Brandnacht finden sich z. B. im Güterbuch Bd. III, 1. Bl. (EB 72) oder in den 1838 angelegten Abschriften der Unterpfandsbücher.


1938 weigerte sich Bürgermeister Lämmle; den landrätlichen Erlass von 1937 zu befolgen, Akten und Bücher auszusondern, da die Gemeinde – auch "mit Rücksicht auf die abgelegene Lage des Orts" – "ein Interesse an der Aufbewahrung" habe. Nur einige Druckschriften wurden damals ausgesondert (EA 45). Von den 1938 in Heft 14 der Württembergischen Archivinventare aufgeführten Gemeindearchivalien fehlt nichts.

Die Erschließungsarbeiten und die Erstellung des vorliegenden Findbuchs fanden von Herbst 1996 bis Frühjahr 1997 statt. Mein Dank gilt dabei meiner Kollegin Frau Silke Haspel, die 1994 die Erschließung der Gemeinderechnungen von 1950 bis 1987 übernahm, sowie allen beteiligten Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung insbesondere Herrn Bürgermeister Stokinger und seinem Amtsvorgänger Herrn Bürgermeister Kieser für ihr Interesse und ihre Unterstützung.


Esslingen, im Mai 1997
Natascha Richter
 
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Diese Seite wurde zuletzt am 24.05.2006 bearbeitet.
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